Granit
Granite (von ital. granito, ?gek?rnt?) sind massige, relativ
grobkristalline, magmatische Tiefengesteine (Plutonite), die reich an Quarz und
Feldspaten sind, aber auch dunkle Minerale, zum Beispiel Glimmer, enthalten. Der
Merksatz Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess' ich nimmer gibt
die Zusammensetzung von Granit etwas vereinfacht wieder.
Entstehung
Allgemeines
Granite entstehen durch die Erstarrung von Gesteinsschmelzen (Magma)
innerhalb der Erdkruste, meistens in einer Tiefe von mehr als 2 km unter der
Erdoberfl?che. Im Gegensatz dazu stehen die vulkanischen Gesteine, bei denen das
Magma bis an die Erdoberfl?che dringt. Granit ist deshalb ein Tiefengestein
(Fachausdruck: Plutonit). Gesteine, die sehr nahe an der Erdoberfl?che (weniger
als 2 km) erstarren, nennt man hingegen Subvulkanite, ?bergangsmagmatit oder
Ganggestein.
Granite entstehen in den meisten F?llen nicht aus dem fl?ssigen Material des
Erdmantels, sondern aus aufgeschmolzenem Material der unteren Erdkruste. F?r die
Entstehung von Magmakammern muss mit Zeitr?umen von 10 - 15 Millionen Jahren
gerechnet werden (ZEIL, 1984).
Aufschmelzung
Granitisches Magma entsteht meistens in der unteren Kruste unserer Erde, so
z. B. in Bereichen der Wurzel von Gebirgen. Dort kann es durch die Bewegung von
Magmastr?men im oberen Erdmantel zu einer erh?hten W?rmezufuhr in die untere
Erdkruste kommen. Durch Hebungen, Senkungen oder Horizontalbewegungen der
Erdkruste kommt es punktuell zu einer Druckentlastung. Dadurch sinkt die
Schmelztemperatur des Magmas und f?hrt zur Bildung der meistens z?hfl?ssigen
granitischen Gesteinsschmelzen.
Magmenaufstieg (Intrusion)
Tektonische Verwerfungen, die durch Bewegungen der Erdkruste entstehen,
dienen den Magmen als leichte Aufstiegswege von der unteren in die obere Kruste.
Man bezeichnet den Aufstieg derartiger Magmablasen nach oben als ?Intrusion?.
Dabei bilden sich in der Erdkruste gro?e, oft riesige Magmenk?rper. Sie
erreichen betr?chtliche Ausma?e von mehreren Kilometern bis hin zu mehreren 100
Kilometern L?nge und einer entsprechenden Breite. Diese K?rper nennt man Pluton
oder Batholith.
Durch tektonische Prozesse kann es zu einer Abschn?rung der
Magmenaufstiegswege kommen. Es entsteht dann eine isolierte Magmenkammer. H?ufig
bleiben aber auch die Aufstiegswege in Verbindung mit dem Intrusionsk?rper.
Daneben tritt aber auch der Fall auf, dass Magmen beim Aufstieg aufgehalten
werden, da sie ihre Temperatur durch die teilweise Aufschmelzung des umgebenden
Gesteins verlieren. H?ufig enthalten sie dann Relikte von unaufgeschmolzenem
Gestein, sogenannte Xenolithe (Fremdgestein).
Erstarrung
Wie alle Plutonite erstarrt auch Granit sehr langsam in gr??eren Tiefen von
mehreren Kilometern. Entsprechend der Schmelztemperaturen beginnen sich die
ersten Kristalle zu bilden. Dabei besitzen die dunklen Minerale - die auch
meistens eine hohe Dichte haben - den h?chsten Schmelzpunkt und erstarren
zuerst. Erst danach kristallisieren Feldsp?te und Quarz. Die zuerst gebildeten
schweren Mineralien, wie Hornblende oder Pyroxen, die auf Grund ihres h?heren
spezifischen Gewichts und ihres h?heren Schmelzpunktes bei dem Abk?hlungsprozess
fr?her ausgeschieden werden, sinken in der noch fl?ssigen Restschmelze ab und
sammeln sich im unteren Bereich einer erstarrenden Magmakammer. Quarz oder
Kalifeldspat hingegen reichern sich auf Grund ihrer geringeren Dichte in der
Schmelze an und haben im Dachbereich der Magmenkammer oft deutlich erh?hte
Gehalte. Diesen Prozess nennt man Differentiation.
Kontakt zum Nebengestein
Der Kontakt mit dem Nebengestein f?hrte in den Randbereichen des Magmas zu
"Verunreinigungen" und zu einem rascheren Erkalten des Magmas. H?ufig entstehen
dabei besonders ausgefallene Gesteinsvariet?ten und Minerale. Dieses trifft zum
Beispiel auf den bl?ulichen K?sseine-Granit aus dem Fichtelgebirge zu,
bei dem es durch Vermischung der Schmelze mit tonigem Nebengestein zur Bildung
von feinen Cordieritkristallen kam, welche die bl?uliche Einf?rbung verursachen.
Weiterhin wird auch das Nebengestein durch die hohe Temperatur und durch die
Materialzufuhr aus dem hei?en Magma deutlich ver?ndert und in ein metamorphes
Gestein umgewandelt. Bekanntestes Beispiel sind die Hornfelse.
Nach der Erstarrung
Durch weitere Bewegungen der Erdkruste und Abtragung des dar?ber befindlichen
Gesteins gelangt dann der erstarrte Granit an die Erdoberfl?che. Dabei kann sich
der Granit durch tektonische oder hydrothermale Prozesse deutlich ver?ndern. Mit
dem Erreichen der Erdoberfl?che setzt au?erdem die Verwitterung und Abtragung
des Granits selbst ein. Bei gen?gend langer Zeitdauer und warm-feuchten Klima
kann die Verwitterung mehr als 100 m in die Tiefe reichen. In der Sprache der
Steinmetze gilt daher der Spruch: ?Jeder Granit wird gelb?. Ob eine f?r den
Abbau vorgesehene Partie eines derartigen Gesteins ?gesund? ist, kann ein
Mineraloge oder Petrograph ohne Schwierigkeit bestimmen.
Aussehen
Im Allgemeinen ist Granit mittel- bis grobk?rnig. Er besitzt eine homogene
Mineralverteilung und die daraus resultierende relativ gleichm??ige Optik. Die
Gr??e der Kristalle schwankt meistens zwischen 1 mm und mehreren cm. Man kann
f?r gew?hnlich alle Kristalle mit blo?em Auge erkennen.
Das Farbspektrum reicht bei Graniten von hellem Grau bis bl?ulich, rot und
gelblich. Dabei spielen die Art der Erstarrung und Umwelteinfl?sse, denen das
Gestein ausgesetzt war, ebenso eine Rolle, wie der Mineralgehalt. Die gelbe
Farbe angewitterter Granite kommt von Eisenhydroxidverbindungen (Limonit), die
infolge von Verwitterungseinfl?ssen aus prim?r im Granit enthaltenen Eisen
f?hrenden Mineralen entstanden sind.
Chemische Zusammensetzung
|
mittlere
chem. Zusammensetzung von Graniten in Prozent |
|
TiO2 |
0,25 |
|
Fe2O3 |
0,77 |
|
FeO |
1,41 |
|
MnO |
0,04 |
|
MgO |
0,67 |
|
CaO |
1,85 |
|
Na2O |
3,58 |
|
K2O |
4,01 |
|
P2O5 |
0,07 |
|
CO2 |
0,06 |
|
H2O |
0,54 |
|
ppmRb |
220 |
|
ppmSr |
110 |
Granite bestehen haupts?chlich aus Quarz, Feldsp?ten und dunklen, mafischen
Mineralen, die etwa 20?40 % der Masse einnehmen. Meistens handelt es sich dabei
um Glimmer (Biotit, Muskovit), seltener um Amphibole oder andere mafische
Minerale. Bei den Feldsp?ten ?berwiegt der Kalifeldspat ?ber die Plagioklase.
Als Akzessorien (Nebenbestandteile) f?hren sie Zirkon, Apatit, Titanit, auch
Magnetit, Rutil, Ilmenit oder auch andere Erzmineralien, die z. T. aus
?berpr?gten Zonen stammen k?nnen.
Granite weisen oft eine nat?rliche Radioaktivit?t auf, da sie Spuren von
Uran, Rubidium und anderen radioaktiven Elementen enthalten k?nnen. Ein weiterer
m?glicher Tr?ger der Radioaktivit?t sind die in den Feldsp?ten und Glimmern
vorkommenden radioaktiven Isotope verschiedenster Elemente, vor allem Kalium.
Die St?rke der Radioaktivit?t kann selbst innerhalb eines geologischen
Aufschlusses sehr stark schwanken.
Vorkommen
Granite geh?ren zu den h?ufigsten Gesteinen innerhalb der kontinentalen
Erdkruste. Sie finden sich auf allen Kontinenten. Sie entstehen im Rahmen der
Plattentektonik prim?r an Subduktionszonen: die abtauchende (ozeanische) Platte
erw?rmt sich, der hohe Wassergehalt l?sst Sedimente aufschmelzen, dabei entsteht
saures, granitisches Magma, das bei der Abk?hlung im Erdinneren Granit bildet.
Bei orogenen (gebirgsbildenden) Prozessen entsteht ebenfalls Granit.
Granitvorkommen in Mitteleuropa
- Alpen; dort aber nur in den Zentralalpen
- Bayerischer Wald
- Erzgebirge
- Fichtelgebirge
- Harz, Brockengebiet
- M?hlviertel, B?hmische Masse, ?sterreich
- Oberlausitz
- Oberpf?lzer Wald
- Odenwald
- Schwarzwald
- Waldviertel, B?hmische Masse, ?sterreich
- Granite findet man auch sehr h?ufig als eiszeitliches
Geschiebe in Norddeutschland.
Granittypen
Man unterscheidet vier verschiedene Typen von Graniten:
- I-Typ (igneous source, d.h. aus Magmatiten
erschmolzen) Granite sind Restdifferentiate von Mantelschmelzen.
- S-Typ Granite (sedimentary source, d.h. aus
Sedimentiten erschmolzen) sind das Ergebnis einer Aufschmelzung von
Sedimentgesteinen.
- A-Typ Granite (anorogenic source, d.h. au?erhalb
von gebirgsbildenden Ereignissen entstanden) treten oft bei beginnendem
Aufrei?en kontinentaler Kruste in Erscheinung.
- M-Typ Granite entstehen an ozeanischen Inselb?gen.
Verwandte Gesteine
Mit dem Granit eng verwandt und in Plutonen oft mit diesem vergesellschaftet
finden sich andere magmatische Gesteine, die aber eine ver?nderte chemische
Zusammensetzung haben. Dazu geh?ren der Alkaligranit (Plagioklas fehlt
weitgehend), Granodiorit (Plagioklas ?berwiegt ?ber Kalifeldspat) und der Diorit
(Kalifeldspat fehlt weitgehend).
Granit ist das entsprechende Tiefengestein zu dem vulkanischen Gestein
Rhyolith. Beide haben die gleiche chemische Zusammensetzung.
Bodenbildung auf Graniten
Auf Grund des Vorherrschens von Quarz und Feldspat entstehen in Mitteleuropa
aus Graniten im Allgemeinen n?hrstoffarme B?den, die au?erdem zur Versauerung
neigen. Je nach Wasserangebot und Entwicklungstiefe des Bodens findet man
meistens Ranker oder Braunerden, seltener Podsole. Meistens werden diese B?den
forstwirtschaftlich genutzt.
Bedeutung im Bauwesen
Granite haben wegen ihrer hohen Widerstandskraft, H?rte und Wetterfestigkeit
und wegen ihrer guten Schleif- und Polierbarkeit eine gro?e wirtschaftliche
Bedeutung im Bauwesen. Sie finden sich:
- im Stra?enbau als Pflasterstein, Bordstein, Schotter,
- im Bahnbau als Schotter,
- im Hochbau als Au?enwandbekleidung, Bodenbelag,
- im Innenausbau als Wandbekleidung, Treppenbelag,
Fensterbank, Tischplatte,
- im Gartenbau als Pflasterstein, Rabattenstein, Brunnen,
Vogeltr?nke, etc.
Granit wird weltweit in vielen Steinbr?chen gewonnen. Dabei gelten grob
folgende Regeln: Gelbe Granite sind meistens technisch schlechter als graue. Sie
wurden zum Teil in Tonminerale umgewandelt, was mit einem deutlichen R?ckgang
der Festigkeitseigenschaften verbunden ist. Vor allem die Feldsp?te sind dann
oft in Tonminerale umgewandelt worden. In manchen gelben Graniten ist die
Intensit?t der Feldspatumwandlung noch zu tolerieren. Stark verwitterte gelbe
Granite lassen sich aber noch bei einer St?rke von 2 cm wie ein Hartkeks von
Hand brechen. Je nach Materialqualit?t kann die Zeit bis zur ?Vergelbung? eines
Granits von 4 Wochen nach Verlegung bis 30.000 Jahre dauern.
Granite enthalten oft Erzminerale, die einen Verf?rbungsprozess stark
beschleunigen k?nnen, ohne dass sich die technischen Eigenschaften messbar
ver?ndern. Dabei kommt es sehr darauf an, um welches Erzmineral es sich handelt.
Pyrit (FeS2) zersetzt sich sehr rasch. Magnetit (Fe3O4)
ist dagegen relativ verwitterungsresistent. Die erste Ma?nahme nach der groben
Entscheidung ?ber die gew?nschte Optik , sollte eine polarisationsmikroskopische
Untersuchung der ausgew?hlten Gesteine sein. Dabei kann ein Geowissenschaftler
ungew?nschte Beimengungen und auch den Verwitterungszustand erkennen. Sollte ein
Material bereits bei dieser relativ preiswerten Pr?fung (ca. 350 ?) durchfallen,
er?brigen sich die Kosten f?r weitere Untersuchungen. Nachfolgend ist ein
typisches Anforderungsprofil mit Normpr?fungen f?r belastete Bereiche
aufgef?hrt:
Wasseraufnahme nach DIN 52103 < 0,32 Gewichtsprozent
Druckfestigkeit nach DIN 52105 > 160 N / mm?
Biegezugfestigkeit nach DIN 52112 > 13 N / mm?
Abrieb nach DIN 52108 < 6,5 cm?
Frost- Tausalzbest?ndigkeit nach ?norm B3303 / 3306
Dichte: 2800 kg/m3
Dass Granit nicht immer grau sein und eine ?Pfeffer und Salz - Optik?
besitzen muss, zeigen uns Materialien aus dem Norden Europas. Zu den
bekanntesten Vertretern der farbigen Granite geh?ren die als Baltic Braun
und Baltic Rot bekannten Rapakiwi-Granite aus Finnland oder Karelien.
Beide Materialien werden mit einer geflammten Oberfl?che h?ufig in
Au?enbereichen eingesetzt.
Oberfl?chenbearbeitung
Siehe Oberfl?chen von Naturwerkstein
Granit als umgangssprachlicher Begriff
In der Umgangssprache wird h?ufig das Wort Granit als ?berbegriff
jener vielen Gesteine verwendet, die in Struktur, K?rnung und Entstehung
?hnlichkeiten mit Granit haben. Meistens handelt es sich dabei um andere
Tiefengesteine unterschiedlichster mineralogischer Zusammensetzung und Farbe.
Vor allem der Granodiorit und der Alkaligranit werden umgangssprachlich meistens
als Granit bezeichnet.
Im Vallemaggia und im gesamten Tessin wird sehr h?ufig ein "Granit" genanntes
Gestein f?r Hausd?cher, Pergole, Strassenbegrenzungen, Tische und B?nke
verwendet, das im geologischen Sinne kein Granit ist, sondern Gneis.
Weiterhin taucht der Begriff Granit mehrmals in Redewendungen auf. Es
wird dabei vor allem auf seine H?rte und Widerst?ndigkeit verwiesen:
- Auf Granit bei?en f?r ein aussichtsloses
Unterfangen
- hart wie Granit f?r extrem widerst?ndig
Weitere Besonderheiten
Besonderheiten sind auch die ?polsterartige? Verwitterung
(Wollsackverwitterung) und die damit zusammenh?ngende moos?berwachsene Struktur,
der bodenbildende Gries, die Entstehung von Blockheiden und Hochmooren, die
touristische Vermarktung von granitischen Landschaften in ?mystischen Projekten?
und Seminaren, fr?here Hexengeschichten und viele Wackelsteine, an denen man
seine Kr?fte messen kann. Aus verwittertem Granit entstehen u. a. Kaolin und
Quarzgrus. Am Monte Kaolino in der Oberpfalz ist der "Restquarz" zu einem
Eventh?gel aufget?rmt. Andere Verwitterungsprodukte sind u. a. Tonmineralien.
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