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Lilien
Die Lilien (Lilium) bilden eine Gattung der Familie der
Liliengew?chse (Liliaceae) innerhalb der einkeimbl?ttrigen Pflanzen.
Beschreibung
Zwiebel und Wurzeln
Erkennbar sind Lilien daran, dass ihre Zwiebel ?berlappende Schuppen hat und
nicht durch eine zus?tzliche Au?enhaut gesch?tzt ist. Die Zwiebel ist je nach
Art und Alter zwischen drei und zehn Zentimeter im Durchmesser gro? und
unterschiedlich gef?rbt. Einige ihrer Wurzeln sind kontraktil, das hei?t sie
verf?gen ?ber die F?higkeit, die Zwiebel bei Bedarf tiefer in die Erde zu
ziehen, bis die ideale Tiefe erreicht ist.
Lilien sind Geophyten, d.h. nach der Wachstumsperiode ziehen sie in die
Zwiebel ein und ?berwintern in einer Ruheperiode.
Ab dem Fr?hjahr treibt die Zwiebel dann einen festen, aufrechten und dicht
bebl?tterten St?ngel aus, der artabh?ngig zwischen 15 und 300 cm gro? sein kann.
Bl?ten
Lilien bilden ihre Bl?ten im Sommer aus; es lassen sich dabei weitgehend drei
Bl?tenformen unterscheiden, n?mlich trompetenf?rmige, schalenf?rmige und so
genannte T?rkenbund-Lilien. Bei letzteren sind die Bl?tenbl?tter soweit nach
hinten eingerollt, dass ihre Spitzen sich am St?ngel wieder treffen und die
Bl?te so einem Turban ?hnlich sieht. Aufgrund des Sortenreichtums der Gattung
existieren aber auch Abweichungen davon, zum Beispiel fast geschlossene Bl?ten
bei Lilium lophophorum.
Lilienbl?ten sind (wie bei fast allen Einkeimbl?ttrigen Pflanzen) dreiz?hlig
und zwittrig. Die Bl?tenblatth?lle besteht aus zwei mal drei gleichgeformten
Bl?tenh?llbl?ttern, also aus sechs Tepalen; sie sind gro?, vielf?ltig gestaltet
und h?ufig auff?llig gef?rbt und gezeichnet. Das Auftreten der h?ufig zu
beobachtenden dunklen Punkte auf der Bl?te ist erblich, nicht aber das Muster
selbst, daher hat jede Bl?te ein einzigartiges Muster. Die einzelnen Punkte sind
Farbstoffkonzentrationen und meist von einem helleren Hof umgeben. Vielfach
zeichnet sie auch ihr Duft aus; einige Sorten z?hlen zu den am st?rksten
duftenden Gartenpflanzen ?berhaupt und sind von gro?em Wohlgeruch, andere
riechen eher unangenehm, einige sind aber auch duftfrei. Die Bl?ten haben sechs
Staubbl?tter und drei verwachsene Fruchtbl?tter; der Fruchtknoten ist
oberst?ndig.
Fr?chte und Samen
Lilien bilden nach ihrer Best?ubung dreikammerige Kapselfr?chte aus. Bei den
Kapseln handelt es sich um lokulizide Kapseln, die an den R?ckenn?hten jedes
Fruchtblatts aufplatzen. Solche Kapseln sind f?r viele Liliengew?chse typisch,
treten jedoch auch bei Schwertlilien, Narzissen und Nachtkerzen auf.
Vegetative Vermehrung
Lilien k?nnen sich auch vegetativ vermehren, dies geschieht auf
unterschiedlichen Wegen. Eine h?ufig zu findende M?glichkeit besteht in der
Bildung sogenannter St?ngelbulben, also von Brutzwiebeln am St?ngelansatz, die
sich nach mehreren Jahren zu eigenst?ndigen Pflanzen herausbilden. Bei einigen
wenigen Arten werden solche Brutzwiebeln auch in den Achseln der Laubbl?tter
gebildet (so bei Lilium sargentii, der Feuer-Lilie und in gro?er Zahl bei
der Tiger-Lilie). Aus Rhizomen wachsende Arten bilden entlang des
weiterwachsenden Rhizoms auch neue Wuchspunkte, aus denen neue Pflanzen
entstehen. Einige Arten bilden auch Ausl?ufer.
Genetik
Alle Lilienarten besitzen zwei lange metazentrische und zehn kurze
acrozentrische Chromosomen. Metazentrisch hei?t, das das Zentromer mittig liegt,
bei den acrozentrischen Chromosomen liegt es am Ende. Die einzige Ausnahme der
Gattung ist Lilium rubescens, die ein langes metazentrisches Chromosom
und elf kurze acrozentrische Chromosomen hat.
Verbreitung
Lilien wachsen auf allen Kontinenten der n?rdlichen Hemisph?re (mit Ausnahme
der zentralafrikanischen Lilium zairii, deren Rang jedoch zweifelhaft
ist) und finden sich oft als Horste in waldigen oder waldnahen Regionen, da sie
feuchte und k?hle Standpl?tze in leichtem Schatten bevorzugen.
Standortbestimmend ist eine ?u?erst gute Drainage. Sehr alkalische sowie sehr
saure B?den werden von Lilien in der Regel gemieden. Ein paar spezialisierte
Arten sch?tzen jedoch Sumpf- und Marschland, eine lebt gar als Epiphyt im
burmesischen Regenwald (L. arboricola).
Gef?hrdung und Status
In Deutschland finden sich alle Lilien-Arten auf der Anlage 1 zur
Bundesartenschutzverordnung und sind dort als besonders gesch?tzt erkl?rt.
Krankheiten und Sch?dlinge
Lilien sind an ihren nat?rlichen Standorten prinzipiell robuste und
krankheitsresistente Pflanzen. In Kultur unterliegen sie jedoch geh?uft
Angriffen durch Pilze, Viren und Insekten.
Pilze
Die St?ngelgrundf?ule, ausgel?st durch Fusarium oxysporum f.sp.
lilii und Fusarium oxysporum f. sp. narcissi, ist die
schwerste und gef?hrlichste Lilienkrankheit, da sie die Zwiebel von unten her
aush?hlt. Die Blattspitzen vergilben, die Knospen bleiben geschlossen, die
Pflanze stirbt ab. Meist ist der Boden so nachhaltig kontaminiert, dass eine
Neuansiedlung von Lilien erst nach Jahren wieder m?glich ist. In Kultur liegt
die einzige M?glichkeit eines Schutzes gegen Fusarium und andere
bodenb?rtige Schadpilze in einer Impfung des Substrates mit Trichoderma
harzianum.
Grauschimmel (Botrytis elliptica und B. cinerea) ist zu
erkennen an braunen oder gr?nen glasigen Flecken an Blattspitzen, Bl?ten und
Knospen, die sich schnell vergr??ern. Allm?hliches Absterben der Pflanze von
oben herab, Faulstellen. Die Bl?ten sind verkr?ppelt und ?ffnen sich nicht mehr.
Durch W?rme oder Feuchtigkeit sowie windstille Lagen wird Grauschimmel
beg?nstigt, als Bek?mpfung eignet sich besonders das gelegentliche Einst?uben
mit Lavagesteinsmehl. Der Pilz kann auch Gladiolen, Iris, Tulpen,
Herbstzeitlose, Hyazinthen und Schneegl?ckchen befallen. Da nur die
oberirdischen Teile der Pflanzen befallen werden, treibt die Lilie im Folgejahr
jedoch komplikationslos wieder aus.
Daneben werden Lilien weniger h?ufig auch von Sclerotium delphinii
var. rolfsii, Colletotrichum lilii, Phytophtora-Arten,
Cercosporella inconsipicua sowie diversen Wurzelpilzen befallen (Cylidrocarpon
destructans, Pythium splendens, Rhyzoctonia solani).
Viren
Zahlreiche Viren bzw. Viroide k?nnen Lilien befallen, beispielsweise die
Gurkenmosaikkrankheit, die Ringelfleckigkeit oder die Rosettenkrankheit. Fast
alle Viren produzieren blass gescheckte Muster auf den Bl?ttern, von den
Blattnerven her ausstrahlend. Oft kommt es zu Missbildungen, die Bl?tter sind
verdreht oder gekr?uselt. Verbreitet werden sie ?blicherweise durch Blattl?use
oder gelegentlich Nematoden, die den infekti?sen, viroid-haltigen Pflanzensaft
?bertragen. Befallene Pflanzen m?ssen sofort vernichtet werden.
Andere Sch?dlinge
Der am weitesten verbreitete Lilien-Sch?dling ist in Europa das 6 bis 8 mm
gro?e Lilienh?hnchen (Lilioceris lilii), ein siegellackroter K?fer, der
vor allem als Larve bei st?rkerem Befall ganze Lilienbeete in wenigen Tagen bis
auf den Stiel abfressen kann. Im h?uslichen Bereich kann er nur durch
regelm??iges Absammeln von K?fern, Larven und Gelegen bek?mpft werden, erst seit
kurzem stehen chemische Mittel zur Verf?gung (Provado). Schnecken k?nnen
zwar junge bzw. frisch ausgetriebene Pflanzen besch?digen, ?ltere Pflanzen aber
sind in der Regel vor ihnen sicher. Obwohl Blattl?use gelegentlich vorkommen
k?nnen, sind sie als Sch?dlinge ohne gr??ere Bedeutung. Trotzdem werden sie, um
Viren?bertragungen zu vermeiden, in G?rten meist bek?mpft.
Wesentlich problematischer ist der seit einigen Jahren zu beobachtende Befall
durch die Lilienminierfliege (Liriomyza urophorina). Sie verursacht meist
bei den fr?h bis mittel bl?henden Sorten einen nahezu totalen Ausfall der Bl?te,
indem die Bl?tenknospen angestochen werden. Im weiteren Verlauf vertrocknen die
Knospen und fallen ab. Im Inneren findet man Larven, die die Knospe durch den
Fra? zerst?ren. Vereinzelt fallen die Knospen nicht ab und bl?hen verkr?ppelt
auf. Eine Bek?mpfung ist problematisch. Die Verwendung dimethoathaltiger
systemischer Insektizide hat sich als erfolgversprechend herausgestellt.
Allerdings unterliegen die entsprechenden Pr?parate wie "BI58" strengen
Anwendungsbeschr?nkungen. Infolge der sich st?ndig ver?ndernden
Zulassungssituation empfiehlt sich deshalb eine Anfrage beim ?rtlichen
Pflanzenschutzamt. In jedem Falle sind alle angestochenen Knospen zu entfernen
und m?glichst zu verbrennen. Die klimatischen Ver?nderungen werden
wahrscheinlich in den n?chsten Jahren zu einem h?ufigeren Auftreten der
Lilienminierfliege f?hren.
Bedeutung, Geschichte, Kultur
Vor allem wegen Ihrer auff?lligen Sch?nheit ist die Lilie eine der am
l?ngsten vom Menschen kultivierten Blumen. Erste Abbildungen (wahrscheinlich der
Madonnen-Lilie) finden sich auf Friesen im minoischen Kreta. In westlichen
Kulturen wird die Lilie heutzutage haupts?chlich als Schnittblume verwertet. In
anderen Epochen und Kulturen jedoch wurde und wird sie weit vielseitiger
genutzt.
Lilien als kulturelles Symbol
In den europ?ischen und mediterranen Kulturen stand aufgrund ihrer strahlend
wei?en Farbe insbesondere die Madonnenlilie im Zentrum symbolischer Verwendung.
Im alten Griechenland war sie die Blume der Hera, die Legende besagt, sie sei
entstanden aus versch?tteten Tropfen von Milch aus ihren Br?sten, als Herkules
von diesen trank. ?ber die Reinheit der Bl?te soll sich wiederum Aphrodite so
sehr ge?rgert haben, dass sie ihr zus?tzlich einen Eselsphallus als Stempel
einpflanzte.
Im Christentum galt die Lilie so bis ins Mittelalter als heidnisch
konnotiert, erst dann wurde ?ber den Umweg der biblischen Susanna (von hebr?isch
?Shushan? = ?die Lilie?), die als Vorl?uferin Mariens gilt, die ?Madonnen-Lilie?
zum Symbol der Reinheit in der christlichen Formensprache. Als Konzession an
eben jene Unschuld wurde die Lilie jedoch meist ohne Stempel und Staubf?den
dargestellt. Die Lilie ist dabei das Sinnbild Christus und der Maria, aber auch
viele Heilige tragen sie als Attribut. Im Mittelalter trugen Bekenner
Lilienkr?nze. Immer galt sie aber auch als Symbol des Todes, als Blume von
reinem Wei? verk?rperte sie zusammen mit der Rose die Farben der Sch?nheit, Wei?
und Rot.
In der Heraldik wurde sie gelegentlich in stilisierter Form verwendet, die
ber?hmte Bourbonenlilie jedoch, die ?Fleur-de-Lis,? bildet eine Iris
(Schwertlilie) nach.
In Japan wird der Name f?r Lilie, ?takane no hana?, auch benutzt, um eine
unerreichbare Sch?nheit zu beschreiben.
Lilien als Zierpflanzen
Obwohl die Lilie bereits seit langem in der Floristik den Rang einer so
genannten ?Edelblume? inne hat, erhielt sie erst in den 30er Jahren des 20.
Jahrhunderts durch die T?tigkeit Jan de Graaffs (der ?ber 2000 Hybriden
z?chtete) und seiner Gr?ndung der ?Oregon Bulb Farms? einen festen Platz auch
als Zuchtpflanze. Vor allem in England, den USA und Holland hat dies seither zu
zahlreichen Hybriden und einer florierenden Lilien-Industrie gef?hrt. Als
Gartenpflanzen sind neben diesen zahlreichen Hybriden auch noch immer einige
Arten pr?sent, so die K?nigs-Lilie, der T?rkenbund, sowie die Madonnen-Lilie und
die Tiger-Lilie.
Unter den Arten wurde jedoch zuvor bereits ab dem 19. Jahrhundert die
Oster-Lilie als kultivierte Schnittblume weit gehandelt, urspr?nglich nur aus
Japan, sp?ter auch von den Bermudas. Bis heute ist die Oster-Lilie die einzige
Art die gr??ere Bedeutung als Schnittblume hat. Gelegentlich findet sie auch
Verwendung f?r Grabschmuck.
Lilien als Heilpflanzen
Im antiken Griechenland bereitete man aus verschiedensten Blumen
schmerzlindernde Salben, neben Rosen, Narzissen und Iris wurden dazu auch Lilien
verwendet.
Au?erdem wurde sie gegen Menstruationsbeschwerden, Verbrennungen und
Verspannungen eingesetzt.
Bis heute wird in unterschiedlichsten Volksmedizinen der adstringierend
wirkende Pflanzensaft zur Heilung besch?digten oder gereizten Gewebes
eingesetzt, z. B. bei Abszessen, entz?ndeter oder rissiger Haut, Geschw?ren oder
frischen Wunden. Schon Plinius der ?ltere hat auf diese Verwendung hingewiesen,
aber auch Dioskurides und Hildegard von Bingen empfahlen den Einsatz bei
oberfl?chlichen Verletzungen und Krankheiten.
Quellen
Carl Feldmaier, Judith McRae: Die neuen Lilien.
Ulmer, Stuttgart 1982, ISBN 3-80016-121-4
Richard Bird: Lilien. Ein illustriertes Handbuch zur
Bestimmung und Zucht. K?nemann, K?ln 1997, ISBN 3-89508-435-2
Michael Jefferson-Brown: Lilien. Christian-Verl.,
M?nchen 2004, ISBN 3-88472-627-7
Michael Jefferson-Brown, Harris
Howland: The Gardener's Guide to Growing Lilies. Timber Press,
Portland Or 1995, ISBN 0-88192-315-X
Edward A. McRae: Lilies. A Guide
for Growers and Collectors. Timber Press, Portland Or 1998, ISBN
0-88192-410-5
Edward A. McRae: Lily Disease
Handbook, North American Lily Society, 1987
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